Eine Rollstuhlfahrerin nimmt an einem Marathon teil. Das soll die Inklusion im Sport verdeutlichen.

Inklusion im Sport? Wie jeder an deinem Verein teilhaben kann

2008 ist die UN-Behindertenrechtskonvention in Kraft getreten. Diese Konvention ist die Erste, die die Menschenrechte konkret auf behinderte Menschen bezieht und die Inklusion als Ziel sieht. Aber nicht nur durch die Behindertenrechtskonvention wurde der Ruf nach Inklusion immer lauter: Auch in Zeitungen liest man immer öfter von inklusiven Kindergärten und Freizeitangeboten im Sportbereich. Wie euer Verein Inklusion im Sport gewährleisten kann, erfahrt ihr hier.

Inhaltsverzeichnis

Was bedeutet Inklusion und was ist der Unterschied zur Integration?

Das Wort Inklusion kommt aus dem Lateinischen “includere” und bedeutet soviel wie einschließen bzw. einlassen. In einer inklusiven Gesellschaft, kann jeder, unabhängig von individuellen Fähigkeiten und Alter, Geschlecht oder Religion, an allen Lebensbereichen teilhaben. Sei es am Arbeitsplatz, im Kindergarten oder auch in Sportvereinen.
Viele denken, dass Integration und Inklusion gleichzusetzen sei. Das ist aber nicht der Fall. Bei der Integration geht es darum, eine kleinere Gruppe in eine größere zu integrieren, die kleinere Gruppe bleibt aber trotzdem für sich.
Inklusion hingegen bedeutet, dass es die verschiedenen Gruppen gar nicht erst gibt. Alle bilden zusammen eine große Gruppe, in denen jeder an allem teilhaben kann.

Wie kann man die Inklusion im Sport gewährleisten?

Leichte Sprache

Inklusion im Sport fängt nicht erst bei den Sportangeboten an. Damit auch alle Inhalte, z.B. eurer Homepage für alle zugänglich sind, solltet ihr die Inhalte in leichter Sprache erstellen oder zumindest eine Version mit leichter Sprache bereitstellen. Achtet darauf, dass Inhalte auch mit einem screenreader gelesen werden können und verständlich sind, denn so können auch sehbehinderte Menschen eure Inhalte verstehen. Manchmal lohnt es sich auch, darüber nachzudenken, ob nicht auch Bilder passen könnten, gerade bei Flyern etc.

Bereitstellung von Dolmetschern

Gerade in Mitgliederversammlungen oder Vorstandssitzungen kann es gehörlosen und sehbehinderten Menschen schwer fallen, allen Gesprächspunkten zu folgen und sich aktiv zu beteiligen. Ihr könnt dem entgegenwirken in dem ihr einen Dolmetscher bereitstellt, der zeitgleich Gesagtes übersetzt. Im Falle einer Sehbehinderung kann es auch helfen, wenn ein Vereinsmitglied neben der betroffenen Person sitzt und ihr z.B. gezeigte Bilder erklärt.

Barrierefreiheit in Räumen

Auch barrierefreie Räume sollten geschaffen werden: Sind eure Vereinsgebäude bzw. -räume leicht für Menschen mit einer Gehbehinderung zugänglich? Sind Türen breit genug, um auch mit Rollstuhl durchzukommen? Wie sieht es mit euren Toiletten aus? Gibt es einen Aufzug?

Angebotsvielfalt

Euer Verein sollte darauf achten, eine Vielfalt an Angeboten bereitzustellen, an denen jeder, unabhängig von individuellen Fähigkeiten, teilnehmen kann. Ihr bietet sowieso Tischtennis an? Perfekt, dann steht einem Angebot für Rollstuhltischtennis nichts mehr entgegen!

Finanzierungsmöglichkeiten für jeden

Inklusiv heißt, dass alle teilhaben. Somit sollte auch aus finanzieller Sicht jeder Zugang zu euren Vereinsangeboten haben. Bietet ihr vergünstigte Mitgliedsbeiträge für bestimmte Personengruppen an? Oder bietet ihr Zuschüsse für zum Beispiel Sportkleidung bzw. -ausrüstung an?
Falls euer Verein solche Zuschüsse nicht anbietet, seid ihr informiert darüber, wo Vereinsmitglieder gegebenenfalls Zuschüsse beantragen können?

Offenes Ohr für Probleme und Anregungen

Es ist besonders wichtig, für die Probleme, Wünsche und Anregungen aller Vereinsmitglieder ein offenes Ohr zu haben. Was hindert jemanden noch daran, an bestimmten Angeboten teilzunehmen oder welche Angebote werden gewünscht?

Besondere Anforderungen

Manche eurer Mitglieder werden bestimmte Anforderungen haben, um überhaupt an einem Angebot teilnehmen zu können. So brauchen manche einen Fahrdienst, der sie zum Training fährt und auch wieder nach Hause bringt. Oder während des Trainings einen Betreuer, der sie unterstützt. Aber auch zum Beispiel ÜbungsleiterInnen können für besondere Anforderungen geschult werden. Ermöglicht ihnen Fortbildungen, die sie optimal auf Möglichkeiten für inklusive Sportangebote informieren und sie auf Herausforderungen vorbereiten.

Wie kann Inklusion in eurem Verein erfolgreich sein?

Laut DOSB gibt es verschiedene Erfolgsfaktoren für die Inklusion im Sport:

Feste Ansprechpartner

Besonders für Menschen mit Behinderung ist es wichtig, einen festen Ansprechpartner zu haben, da sie sich oftmals spezifisch an einer Person orientieren. Das schafft Vertrautheit und Vorfreude, “seinen” Übungsleiter nächstes Training wiederzusehen. Ist das nicht gewährleistet, kann es vorkommen, dass eure Mitglieder enttäuscht sind, wenn gerade “ihre Bezugsperson” nicht da ist.

Klare Strukturen und Abläufe

Viele Menschen mit Behinderung brauchen oft klare Strukturen und Abläufe, damit sie immer wissen, was als nächstes kommt und sich darauf vorbereiten können. So können zum Beispiel die Sportstunden immer den gleichen Ablauf haben: Aufwärmspiel – Übungen – Abschlussspiel – Dehnen.

Balance

Es ist wichtig, dass ihr eure Vereinsmitglieder weder über- noch unterfordert. Balance is key. Wer unterfordert ist, langweilt sich schnell und wird keine Lust mehr auf bestimmte Übungen haben. Überforderte Menschen hingegen könnten das Angebot ganz meiden, weil sie das Gefühl haben, Übungen sowieso nicht zu schaffen. Als Lösung könnt ihr Übungen angepasst an die individuellen Fähigkeiten anbieten, die dementsprechend einen unterschiedlichen Schwierigkeitsgrad haben.

Benefits für einen inklusiven Verein

Inklusion im Sport sollte heutzutage ja eigentlich schon der Normalzustand sein. Aber was bringt Inklusion mit sich? Durch Inklusion kann in eurem Verein kann erreicht werden, dass wirklich alle Vereinsmitglieder und alle, die es noch werden möchten, sich aktiv für ihre Gesundheit einsetzen können. Außerdem entsteht durch Inklusion eine stärkere Bereitschaft zur Kooperation und es können eventuell noch vorhandene Vorurteile abgebaut werden. Auch für euren Verein an sich kann es sich positiv auswirken: Je mehr Menschen mit euren Angeboten erreicht werden können, desto mehr potenzielle Mitglieder gibt es. Wer weiß, vielleicht hilft es eurem Verein ja auch gegen das Vereinssterben vorzugehen?

Finanzielle Zuschüsse

Es kann vorkommen, dass durch inklusive Maßnahmen, Mehrkosten für euren Verein entstehen. DolmetscherInnen, eventuelle Umbaumaßnahmen für die Barrierefreiheit, neue Sportangebote oder auch BetreuerInnen kosten Zeit und Geld. Bei einigen Verbänden gibt es deshalb für Vereine, die sich mit ihrer Vereinsarbeit für die Inklusion im Sport einsetzen, die Möglichkeit, finanzielle Zuschüsse zu erhalten. Es lohnt sich auch bei Stiftungen und anderen Organisationen nachzuschauen, denn auch sie bieten oft Förderungen für Inklusionsarbeit in Vereinen an.

Fazit

Auch wenn Inklusion im Sport auf dem ersten Blick nach großem Aufwand aussieht, lohnt sich dieser definitiv! Wir alle sollten unseren Beitrag zu einer inklusiven Gesellschaft leisten, in der jeder, unabhängig von individuellen Fähigkeiten und Merkmalen, in allen Lebensbereichen teilhaben kann. Also wenn euch beim Lesen aufgefallen ist, dass bei eurem Verein in diesem Bereich noch Änderungsbedarf besteht, zögert nicht und setzt euch dafür ein!

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